Für intersport.ch berichte ich regelmässig aus meinem Laufalltag. Viel Spass beim Eintauchen in meine Laufwelt. 

Der Lauf des Lebens 


Das Laufen ist seit über 15 Jahren nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken. In der freien Natur kann ich abschalten und die Gedanken fliegen lassen. Und es hat mir geholfen, meine Grenzen zu verschieben: von der jungen Halbmarathon - zur gewieften Marathonläuferin. Das Laufen ist für mich der schönste Spiegel des Lebens. 

Seit mich das Laufvirus gepackt hat, nutze ich jede Gelegenheit, um draussen zu trainieren. Mit meinen leuchtenden Tretern an den Füssen und funkelnden Augen. Denn Laufen ist herrlich einfach. Es geht los, wann und wos gerade passt. Kein Anstehen irgendwo, kein Material schleppen. Vielleicht macht gerade diese Einfachheit die grosse Faszination für mich aus. Dabei habe ich ursprünglich eine ganz andere Sportart betrieben. Ich war über viele Jahre Wettkampfschwimmerin. Eine technisch anspruchsvolle und schnelle Sportart. Die aber von der Vielseitigkeit, Leichtigkeit und Freiheit, die mich am Laufen so fasziniert, weit entfernt ist. Darum ist das Laufen für mich wie meine zweite grosse Liebe.

Sehnsucht nach dem Rhythmus
Während dem Laufen gewinne ich Abstand zum Alltag und kann im Rhythmus der Schritte in meine Welt eintauchen. Sorgen werden dabei oft federleicht, Ideen purzeln umher und Pläne nehmen Form an. Und nebenbei tue ich etwas Gutes für meinen Körper. Das ist für mich aber nicht der einzige Ansporn. Mich lässt die Sehnsucht nach diesem Rhythmus, der Verbundenheit mit der Natur und dem eigenen Körper und natürlich nach dem Wohlgefühl danach, immer wieder meine Laufschuhe schnüren. Das Laufen hat mir über all die Jahre aber auch einige Male den Spiegel vorgehalten. Schummeln geht nicht. Ich kenne keine Sportart, die so grundehrlich ist. Ein starkes Herz-Kreislaufsystem und eine gute Physis allein genügen nicht. Der Kopf und die Psyche laufen mit und ohne eine gewisse mentale Härte geht’s nicht. Fehlt es auf der einen Seite, kann es die andere nicht einfach kompensieren und je länger ein Wettkampf dauert, desto deutlicher werden Defizite.

Fleiss wird belohnt
Der Marathon ist ein gutes Beispiel dafür. Einfach Durchrutschen geht hier nicht, Fleiss wird belohnt. Und das ist auch gut so. Besonders gefragt waren diese Fähigkeiten erst kürzlich beim Lago Maggiore Marathon, der von Dauerregen und Kälte dominiert war. Dann wird der Weg zum Ziel, die Gegner zu Partnern. Denn man läuft nicht gegen, sondern miteinander. Und bezwingt in erster Linie sich selber. Ein Blick in die leuchtenden Augen der Finisher bestätigte dies. Es geht hier – wie überall im Leben – darum, etwas zu schaffen und über sich selber hinauszuwachsen.
 
Ich bin heute keine Leistungssportlerin mehr. Aber ich liebe das Laufen und das unbeschreibliche Gefühl, wenn mich die Beine federleicht über die Trails tragen. Und manchmal, ja, dann packt es mich wieder und ich ziehe eine Startnummer an. Um mit tausenden Läuferinnen und Läufern diese grosse Passion zu teilen. Wie eben kürzlich am Lago Maggiore, bei Regen und Kälte. 


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